Witze-Sammlung II
 
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Witze-Sammlung:

Gebet eines Trinkers

Bier unser,
das du bist im Glase.
Gesegnet werde dein Erfinder.
Mein Rausch komme,
dein Wille geschehe
wie Zuhause,
so auch in der Kneipe.
Und vergib uns unsere Schulden,
denn auch wir vergeben
unseren Gläubigern.
Und führe uns nicht in die Milchbar,
sondern gib uns die Kraft
zum Weitertrinken.
Denn dein ist der Durst,
der Rausch und die Seligkeit
in Ewigkeit.

Prost

Eine elektronische Liebesgeschichte

Es war einmal zur Zeit t=0 ein armer, aber rechtschaffener Vierpol namens Eddy Wirbelstrom.
Er bewohnte einen bescheidenen möblierten Hohlraum mit Dielektrikum und fließend kaltem
und warmem Sättigungsstrom.

Leider mußte er in der kalten Jahreszeit für die Erwärmung der Sperrschichten noch etwas zahlen.
Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit einer Transduktorverstärkung. Eddy liebte mit der ganzen
Kraft seiner Übergangsfunktion Ionchen. Ionchen die induktive Spule mit dem kleinsten Fehlwinkel
im ganzen Kreise und die Tochter der einflußreichen EMK. Ihr remanenter Ferritkörper, ihre
symmetrischen Impedanzen und ihre überaus harmonischen Oberwellen brachten auch schon
ausgediente Leydener Flaschen zu Überschlagen im Dielektrikum (was viel heißen will)!

Ionchens Vater, Cosinus Phi, ein bekannter Industriemagnet und Leistungsfaktor hatte allerdings
schon konkrete Schaltpläne für die Zukunft seiner Tochter. Sie sollte nur einer anerkannten
Kapazität mit ausgeprägtem Nennwert angeschlossen werden. Aber wie so oft, der Zufallsfaktor
wollte es anders.

Als Ionchen eines Tages mit ihrem Mikrofahrrad vom Frisör nach Hause fuhr - sie hatte sich eine
neue Sinushalbwelle legen lassen - da geriet ihr Sättigungszahn in die Filterkette. Aber Eddy
Wirbelstrom, der die Gegend frequentierte eilte mit minimaler Laufzeit hinzu und es gelang
ihm Ionchens Kippschwingung noch vor dem Maximum der Amplitude abzutragen und gleichzurichten.

Es ist sicher nicht dem Zufall zuzuschreiben, daß sie sich bald wiedersahen.
Eddy lud Ionchen zum Abendessen ins "Goldene Integral" ein. Aber das Integral war bekanntlich
geschlossen. "Macht nichts". sagte Ionchen, "ich habe zum Mittagessen fast 0,2 Kilo-Herz gegessen
und die Sättigungsinduktivität bis jetzt gehalten und außerdem muß ich auf meine Feldlinien achten".
Unter irgend einem Vorwand lud Eddy sie daraufhin zu einer Rundfahrt im Rotor ein.
Aber Ionchen lehnte ab: "Mir wird bei der zweiten Ableitung immer so übel".
Und so unternahmen sie, ganz entgegen den Schaltplänen von Vater Cosinus Phi, einen kleinen
Frequenzgang ins naheliegende Streufeld.

Der Abend senkte sich über die komplexe Ebene und am Himmel erglänzte die Sternschaltungen.
Nur ein einsamer Modulator flog vorbei, sanft plätscherten die elektromagnetischen Wellen und die
Röhren rauschten leise. Bei der Wheatstoneschen Brücke genossen Eddy und Ionchen innig
die leitende Verbindung.

Und wenn sie nicht gedämpft wurden, dann schwingen sie noch heute.

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 Last changes: 12.12.2004